Montage von Sonnenkollektoren für Solarthermie.
Für die Energiewende sind Erneuerbare Energien wie Solar und Windkraft der Schlüssel. Bei Mittweida haben Bürgerinnen und Bürger den Ausbau selbst in die Hand genommen. Bildrechte: IMAGO/U. J. Alexander

Mittweida Energiegenossenschaft will Menschen vor Ort bei Stromerzeugung mitverdienen lassen

02. Februar 2023, 09:17 Uhr

Obwohl Windräder und Photovoltaik-Anlagen wichtig für die Energiewende sind, ist ihre Akzeptanz nicht immer groß, vor allem bei den Menschen, die in der Nähe solcher Anlagen wohnen. Bürgerenergiegenossenschaften wollen das ändern, indem sie Menschen, die in der Nähe der Anlagen wohnen finanziell von der Stromerzeugung profitieren lassen. Die Idee dahinter: Klimaschutz unterstützen und die Bürgerbeteiligung fördern. Während das Konzept nicht gänzlich neu ist, erleben solche Bürgerenergiegenossenschaften gerade einen Aufwind, auch in Sachsen, wie unser Landeskorrespondent Robin Hartmann berichtet.

Rossau bei Mittweida liegt zwischen hügeligen Felder, immer wieder ragen Windräder in den Himmel. Doch aus Sicht von Kristina Wittig muss noch mehr passieren. Deshalb hat sie Anfang diesen Jahres mit anderen Menschen aus dem Landkreis Mittelsachsen eine Bürgerenergiegenossenschaft gegründet. "Das, was uns alle umgetrieben hat, ist die schleppend vorangehende Energiewende."

Vorbehalte gegen Erneuerbare Energien

Vom eigenen Arbeitszimmer aus blickt sie auf ein Windrad. Von hier wird die Genossenschaft verwaltet, alles wird im Ehrenamt gestemmt. Sie merkt, wie groß der Vorbehalt gegenüber Windrädern und Photovoltaik-Anlagen ist: "Da haben wir gedacht, es bräuchte eigentlich ein Angebot, dass jeder sich einbringen kann, mitmachen kann und auch profitieren kann von dem, was da finanziell möglich ist."

Es bräuchte ein Angebot, so dass jeder sich einbringen kann, mitmachen kann und auch profitieren kann.

Kristina Wittig Gründerin einer Bürgerenergiegenossenschaft

Solaranlagen als erstes Ziel

Die Genossenschaft will sich vorerst nicht an Windrädern beteiligen. Stattdessen sollen Photvoltaik-Anlangen auf den Dächern in der Umgebung finanziert werden. Die 14 Gründungsmitglieder sollen dabei nur ein Anfang sein, ein erstes Wunschziel seien 100 Mitglieder bis Jahresende. Vor allem solche, die bereit sind, langfristig in die Region zu investieren. Denn schnelles Geld bringt die Genossenschaft nicht ein, so Wittig. "Also die ersten ein bis zwei Jahre muss man da ein bisschen Geduld mitbringen und abwarten bis da auch irgendwie Renditen zustande kommen."

Sächsische Energieagentur lobt Potenzial der Genossenschaften

Auch die Sächsische Energieagentur Saena sieht in solchen Genossenschaften Potenzial. Sie können zu einer Identifikation der Menschen mit der Energiewende führen. Wichtig sei dabei aber Transparenz, sagt Hannes Gerold, der bei der Saena zu zukunftsfähiger Energieversorgung berät: "Es ist letzten Endes eine Geldanlage wie jede andere. Das heißt eben auch mit einem Risiko verbunden, ähnlich wie wenn sie in Aktien oder in irgendwelche ETFs investieren.

Wahrscheinlich ist das Risiko aber überschaubarer als bei vielen anderen Finanzprodukten, weil wenn so ein Erneuerbare-Energien-Projekt realisiert wird und es ist EEG-förderfähig, dann habe ich ja eine feste Vergütung für die kommenden 20 Jahre mit der ich relativ gut quasi die Amortisation etc. des Projektes berechnen kann."

Eine Energiegenossenschaft ist letzten Endes eine Geldanlage wie jede andere. Das heißt eben auch mit einem Risiko verbunden.

Hannes Gerold Sächsische Energieagentur Saena

Solarzellen auf einem roten Dach.
Eines der Ziele der Energiegenossenschaft sind Solaranlagen auf den Dächern der Region. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Finanzielle Beratung für staatliche Förderung

Er empfiehlt neuen Genossenschaften, sich finanziell beraten zu lassen, es gibt auch staatliche Förderung. Der Vorsitzende der Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien, Wolfgang Daniels, ist sich sicher: Die Anlagen werden kommen, so oder so, wenn Deutschland seine Ausbauziele einhalten will. Die Frage ist: Sind sie nachhaltig und wer profitiert davon - ein Konzern oder die Menschen vor Ort? "Für mich ist die Erfahrung, mit diesen Mitgliedern aus Energiegenossenschaften oder aus Bürgerbeteiligungsgesellschaften sehr positiv, dass es tatsächlich real dann auch Leute sind, die aus der Region kommen."

So hat auch die Genossenschaft von Kristina Wittig den Fokus auf den Landkreis Mittelsachsen gelegt. Mitgliedsanfragen aus anderen Kreisen wurden abgelehnt. Aber sie empfiehlt den Interessenten dort, einfach selbst zu gründen.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 30. Januar 2023 | 08:00 Uhr

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